Joseph Schmitt (1908 – 1998): Ein Leben im Dienste anderer
Die Aussöhnung in Europa und die Solidarität mit Schwächeren waren
Leitmotive im Leben von Joseph Schmitt. Er wurde am 16. Juli 1908
als ältestes von fünf Kindern eines Weingroßhändlers in Fulda geboren.
Am dortigen Humanistischen Gymnasium legte er 1926 die Reifeprüfung
ab und studierte Jura und Volkswirtschaftslehre. Nach der Machtübernahme
der Nationalsozialisten geriet er wegen seines Engagements für den
Windhorstbund, einer Jugendorganisation der Zentrumspartei, auf
die „Schwarze Liste“ für den Staatsdienst. Aus dem II.
Weltkrieg kehrte er als Schwerkriegsbeschädigter zurück.
1947 wurde Schmitt als Rechtsanwalt zugelassen, 1958 kam das Notariat
hinzu. 1946 rief er den Albertus-Magnus-Verein ins Leben, der studierwillige
Jugendliche förderte. Im gleichen Jahr gründete er die Rabanus-Gemeinde
zur Erwachsenenbildung. Ein besonderes Engagement galt der elterlichen
Mitbestimmung bei der Gestaltung des Schulunterrichts. Auf seine
Initiative hin wurde 1949 die Mitbestimmung der Eltern in Hessen
erstmals gesetzlich verankert.
Die gravierende Wohnungsnot in Fulda nach dem Weltkrieg veranlasste
Joseph Schmitt, das Siedlungswerk Fulda, gemeinnütziges Wohnungs-
und Siedlungsunternehmen, zu gründen. Die gemeinnützige Genossenschaft
errichtete mehr als dreitausend Wohnungen. Ihr stand Schmitt bis
1982 als Vorstandsvorsitzender vor. 1954 schloss sich Joseph Schmitt
dem Internationalen Bauorden an und wurde zu dessen maßgeblichem
Wegbereiter und -begleiter. Von 1962 bis 1980 gehörte er als Vorsitzender
und Stellvertreter dem Vorstand des Internationalen Bauordens mit
Sitz in Leuven/Belgien an.
Die Begegnung und Verständigung von jungen Menschen in Europa waren
ihm hier immer ein zentrales Anliegen. Für seine Verdienste im sozialen
Bereich wurde Joseph Schmitt mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens
der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.