Preisverleihung 2007
Laudatio Blatt | Laudatio Chang | Laudatio Weißbach
Der diesjährige "Joseph Schmitt-Preis" wurde am Sonntag, 28. Oktober
2007 um 10:00 Uhr, im NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz,
Gedenkstätte KZ Osthofen durch den Direktor der Landeszentrale für
politische Bildung, Dr. Dieter Schiffmann, und MdB Klaus Hagemann
verliehen.
Hinweise für die Anreise:
Mit der Bahn: Nahverkehrszüge der Strecke Mannheim-Mainz. Am
Bahnhof Osthofen in nördlicher Richtung Fahrtrichtung Mainz
3 Min. Fußweg zur Gedenkstätte, die sich links hinter
dem Bahnübergang befindet.
Mit dem Auto: An der Abfahrt "Gundersheim/Westhofen/Osthofen"
der BAB 61 (Speyer-Köln) über Westhofen nach Osthofen.
Von hier aus der türkisfarbenen Wegweiserbeschilderung "zur
Gedenkstätte" folgen.
Internationaler Bauorden verlieh zum zweiten Mal Joseph-Schmitt-Preis
An einen historischen Ort, in das NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz,
Gedenkstätte KZ Osthofen, lud der Internationale Bauorden (IBO)zur Verleihung
des "Joseph Schmitt-Preises" ein. Zum zweiten Mal nach 2005 wurden
Examensarbeiten aus den Bereichen Internationale Jugendarbeit, Internationale
Freiwilligendienste, Jugendreisen sowie Jugend und Europa ausgezeichnet. IBO-Geschäftsführer
Peter Runck freute sich über die große Zahl von 29 eingereichten
Arbeiten und lobte deren insgesamt hohe Qualität. Der Preis ist nach dem
1998 verstorbenen Fuldaer Rechtsanwalt und Notar Joseph Schmitt benannt, der
von 1954 an maßgeblicher Wegbereiter und -begleiter des Bauordens war.
Den diesjährigen "Joseph Schmitt-Preis", der mit 1000 Euro dotiert
ist, konnte Claudia Blatt aus den Händen von Dr. Dieter Schiffmann, Direktor
der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, in Empfang nehmen.
In ihrer Arbeit "Reisen in der Jugendarbeit - Notwendigkeiten und Voraussetzungen
einer interkulturellen Öffnung" analysiert und diskutiert die Preisträgerin,
die an der Carl von Ossietzky Universität ihr Examen in Interkultureller
Pädagogik und Politikwissenschaften ablegte, den Zugang Jugendlicher mit
Migrationshintergrund zu gemeinnützigen Jugendreisen und zeigt Strategien
auf, wie Jugendverbände und Vereine für mehr Gerechtigkeit sorgen
können. Damit traf Claudia Blatt nicht nur ein Ziel des Bauordens, nämlich
die verstärkte Beteiligung benachteiligter Jugendlicher, sondern leistete
auch einen wichtigen Beitrag zur Forschung im Bereich der Internationalen Jugendarbeit.
Den Förderpreis des "Joseph Schmitt-Preises" teilten sich dies
Jahr zwei Preisträger: Lars Weißbach, der an der Katholischen Stiftungsfachhochschule
München Sozialpädagogik studierte, erhielt ihn für seine Diplomarbeit
"Rock 'n' Roll versus Soziale Arbeit? Aspekte Interkultureller Jugendarbeit
dargestellt am osteuropäischen Kulturaustausch" und die Psychologin
Celine Chang für ihre Dissertation am Institut für Psychologie der
Universität Hildesheim zum Thema "Veränderungen von Selbstschemata
im Kontext der Teilnahme an internationalen Workcamps", in der die Jury
einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit
in Theorie und Praxis sah. Erstmals verliehen wurde ein Sonderpreis, den MdB
Klaus Hagemann (SPD) stiftete und an Juliane Schicker für ihre Diplomarbeit
"Klassenfahrten und interkulturelles Lernen" überreichte.
In einem engagiert vorgetragenen Fachvortrag zum Thema "Internationale
Jugendarbeit: Interkulturalität und Internationalität als Lern- und
Bildungsprozess" forderte Professor Andreas Thimmel von der Fachhochschule
Köln mehr Engagement von Seiten der Politik für diesen Bereich ein.
Benedikt Widmaier, Direktor der Akademie "Haus am Maiberg", der ebenso
wie Prof. Thimmel und IBO-Geschäftsführer Peter Runck zu den Juroren
des "Joseph Schmitt-Preises" zählte, gab einen Überblick
der eingereichten Arbeiten. Er verwies auf die inzwischen nationale Bedeutung
des "Joseph Schmitt-Preises" und gratulierte dem Internationalen Bauorden
für dessen Auslobung. Mit zur Preisverleihung nach Osthofen gekommen waren
die Teilnehmer an den diesjährigen Baucamps des Internationalen Bauordens,
die sich am vergangenen Wochenende in Worms über ihre Erfahrungen ausgetauscht
hatten.

Laudatio Claudia Blatt
Ich freue mich, die diesjährige Preisträgerin des Joseph Schmitt-Preises bekannt geben zu dürfen. Mit ihrer Arbeit „Reisen in der Jugendarbeit – Notwendigkeiten und Voraussetzungen einer interkulturellen Öffnung“ beeindruckte Claudia Blatt die Jury. In ihrer Arbeit analysiert und diskutiert Frau Blatt den Zugang Jugendlicher mit Migrationshintergrund zu gemeinnützigen Jugendreisen, und zeigt Strategien auf, wie Jugendverbände und Vereine für mehr Chancengerechtigkeit sorgen können. Damit trifft Claudia Blatt nicht nur ein Ziel des Bauordens – die verstärkte Beteiligung benachteiligter Jugendlicher – sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Forschung im Bereich der Internationalen Jugendarbeit.
Claudia Blatt absolvierte nach ihrem Abitur einen Europäischen Freiwilligendienst in Frankreich, bevor sie ihr Studium der interkulturellen Pädagogik und der Politikwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg aufnahm. Ihr Studium führte sie für zwei Semester nach Catania auf Sizilien, und sie arbeitete als Fremdsprachenassistentin im französischen Commercy. Bereits vor Beginn ihres Studiums und auch darüber hinaus sammelte sie praktische Erfahrungen in der Jugendarbeit, durch die Organisation und Leitung von zahlreichen Ferienlagern und Jugendcamps im In- und Ausland. Darüber hinaus vertiefte sie auch ihr theoretisches Wissen zur interkulturellen Pädagogik in verschiedenen deutsch-französischen und deutsch-französisch-polnischen Fortbildungen.
In ihrer Diplomarbeit erarbeitet Claudia Blatt die Bedeutung von betreuten Gruppenreisen in der Jugendarbeit als Sozialisations- und Bildungsraum für Jugendliche: diese Reisen stellen ein besonders günstiges Setting für vielschichtige Formen des informellen Lernens dar. Im nächsten Schritt zeigt sie auf, dass jugendlichen Migranten durch offene und versteckte Ausgrenzungsmechanismen oftmals der Zugang zu diesen zentralen außerfamiliären und außerschulischen Erfahrungs- und Bildungsräumen verwehrt bleibt. Auf der Basis ausführlicher Interviews mit sieben deutschen Jugendlichen, die einen persönlichen oder familiären Migrationshintergrund haben und – dennoch, muss man fast sagen – an einer betreuten Jugendfahrt teilgenommen haben, analysiert sie Zugangsbedingungen und Zugangsbarrieren, sowie die Auswirkungen der Erfahrungen.
Um mehr benachteiligten Jugendlichen die Teilhabe an Jugendreisen zu ermöglichen sollten die Träger der Jugendhilfe besondere kostengünstige Angebote machen, sowie die betreffenden Jugendlichen über Vereine und andere Institutionen gezielt über ihr Angebot informieren. Gleichberechtigte Partizipation sei auch ein Schlüssel zur Integration, so Claudia Blatt. Es bleibt also zu hoffen, dass Vereine und Verbände der Jugendarbeit aktiv werden, um jugendliche Migranten als Teilnehmer zu gewinnen.
Ich freue mich sehr, Ihnen für diese engagierte, und gleichzeitig wissenschaftlich exzellente Arbeit den ersten Preis des Joseph Schmitt-Preises 2009 verleihen zu dürfen.
Herzlichen Glückwunsch!
Förderpreis der Ausschreibung zum Joseph-Schmitt Preis für Celine Chang:
Einen weiteren Förderpreis erhält Celine Chang für ihre Dissertationsarbeit „Veränderungen von Selbstschemata im Kontext der Teilnahme an internationalen Workcamps“.
Die Preisträgerin Celine Chang beendete bereits im Jahre 2002 ihr Studium der Psychologie mit den Schwerpunkten Interkulturelle Psychologie sowie Sozial- und Organisationspsychologie an der Universität Regensburg. Vor und während des Studiums nahm sie selbst an Schüler- und Studentenaustausch in den USA und Australien teil und betreute ehrenamtlich Austauschstudenten an der Universität Regensburg. Als studentische Hilfskraft engagierte sie sich bereits zu dieser Zeit für Projekte, die sich mit dem internationalen Austausch beschäftigten. Ihre Diplomarbeit schrieb Celine Chang so auch konsequenter Weise zu einem Thema im Bereich der Internationalen Austauschforschung: Gegenstand ihrer Arbeit war die Evaluation eines Deutsch- japanischen Studienprogramms für Fachkräfte der Jugendarbeit.
Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums ist Frau Chang weiterhin in Forschung und Praxis der Interkulturellen Psychologie und als Unternehmensberaterin tätig. So nimmt sie an zahlreichen internationalen Konferenzen und Tagungen zu interkulturellen Fragen teil und hält selbst Lehrveranstaltungen an der Universität und Fachhochschule Regensburg. Außerdem verfasst und publiziert sie weiterhin wissenschaftliche Texte zur Internationalen Austauschforschung – so auch die mit dem Förderpreis prämierte Arbeit zur Veränderung von Selbstschemata im Kontext der Teilnahme an internationalen Workcamps.
Die Arbeit entstand als Dissertationsprojekt am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim und wurde 2006 veröffentlicht. Sie beschäftigt sich mit der Wirkung internationaler Workcamps auf ihre Teilnehmer und untersucht alle Veränderungen in den Selbstschemata der Befragten.Theoretisch ordnet die Arbeit den Programmtyp „Internationale Workcamps“ in das Feld der Internationalen Jugendarbeit ein. Ausgehend von früheren Erkenntnissen der Austauschforschung gelangt die Autorin zu dem Ergebnis, dass es vor allem die Sicht auf die eigene Person bzw. die eigenen Fähigkeiten sei, die sich durch die Teilnahme an einem internationalen Workcamp verändert. Zur Beantwortung ihrer Forschungsfrage entwickelt Frau Chang ein theoretisches Rahmenmodell, welches auf psychologischen Konzeptionen des „Selbst“ beruht.
Der empirische Teil der Arbeit untersucht anhand von Interviews mit ehemaligen Teilnehmern an Workcamps die Selbstschemata, die durch die Teilnahme aktiviert werden. Weiterhin werden Skalen zur Erfassung dieser Selbstschemata entwickelt. In einer weiteren Studie wird die interviewte Gruppe mit einer Kontrollgruppe erneut drei Monate nach der Teilnahme befragt, um die Stabilität der Effekte zu überprüfen. Celine Chang kommt schließlich zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme an internationalen Workcamps bei den befragten Teilnehmern zur Verstärkung von Kontaktfähigkeit, Selbstwirksamkeit und einer differenzierteren Sicht auf die eigene und die Fremdkultur führt. Für diese Veränderungen konnte eine relative Stabilität nachgewiesen werden. Erfahrungen im Rahmen internationaler Workcamps fördern daher auch die interkulturelle Kompetenz.
Die Jury verleiht Frau Chang einen Förderpreis für ihre Dissertationsarbeit, um die herausragenden Erkenntnisse der Autorin zur Wirkung internationaler Austauscherfahrungen auf die Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher zu würdigen. Die Arbeit beschäftigt sich mit einem bis dato noch wenig erforschten Teilbereich der interkulturellen Psychlogie und stellt einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit in Theorie und Praxis dar.
Förderpreis des Joseph-Schmitt Preis, Lars Weißbach:
Den Joseph Schmitt Förderpreis des Jahres 2007 erhält Lars Weißbach für seine Diplomarbeit „Rock`n Roll vs. Soziale Arbeit? Aspekte Interkultureller Jugendarbeit dargestellt am osteuropäischen Kulturaustausch der Band Die Herren Polaris mit Polen und Tschechien“. Diese Arbeit dokumentiert und reflektiert -ganz im Sinne des „Joseph Schmitt-Preises“- ein gelungenes Projekt der Internationalen Jugendarbeit.
Lars Weißbach studierte Sozialpädagogik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München/ Abteilung Benediktbeuren und war während seines Studiums an mehreren Projekten regionaler und internationaler Jugendarbeit beteiligt. Durch die Organisation und Evaluation von Jugendfreizeiten- bzw. internationalen Austauschprogrammen konnte er umfangreiche praktische Erfahrungen sammeln. Das ehrenamtliche Engagement als Leiter eines Jugendchores und in Sportvereinen sowie die Mitwirkung im deutsch- tschechischen Jugendaustausch qualifizieren ihn als Vermittler zwischen regionaler und internationaler Jugendarbeit. Sein privates Interesse für Musik und die Mitwirkung in mehreren Bands war auch ausschlaggebend für die Idee und schließlich auch erfolgreiche Durchführung des Projektes, das Inhalt seiner Diplomarbeit ist. Klingt der Titel der Arbeit beim ersten Lesen oder Hören vielleicht zunächst noch etwas kompliziert, die Arbeit selbst ist klar strukturiert und sinnvoll aufgebaut.
Ausgehend von theoretischen Konzepten der Interkulturellen Arbeit wird die Interkulturelle Jugendarbeit in das Themenfeld der internationalen Jugendarbeit eingeordnet. Die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen des internationalen Austauschs Deutschlands mit Polen und Tschechien werden herausgearbeitet. Die Arbeit stellt exemplarisch ein Projekt der Interkulturellen Jugendarbeit in Europa dar. Die Konzert- und Workshoptour der Rockband „Die Herren Polaris“, bei der auch der Autor Lars Weißbach als Keyboarder mitwirkte, durch Polen und die Tschechische Republik wird anschaulich und spannend beschrieben und in den theoretischen Rahmen der Konzepte internationaler Jugendbegegnungen eingeordnet.. Durchgeführt wurde dieses Projekt übrigens mit Unterstützung des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart.
Die Entscheidung für die Auszeichnung dieser Diplomarbeit mit einem Förderpreis fiel aus mehreren Gründen: Da ist zunächst die hohe Qualität der theoretischen Bearbeitung der Konzepte der Interkulturellen Jugendarbeit verbunden mit der fundierten Darstellung gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Interkulturelle/Internationale Jugendarbeit in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik. Der Autor leistet aber auch eine kritische Analyse des Programms und nutzt dabei Modelle des Projektmanagements. Eine Analyse, die insbesondere auch gesellschaftliche und politische Verhältnisse in und mit den Austauschländern Polen und Tschechien berücksichtigt. Von dem beschrieben Projekt internationaler Jugendarbeit werden sicher wertvolle Anregungen für die Praxis ausgehen.